Menü schließen

Die Besatzungszeit

Die Kanalinseln wurden von der britischen Regierung entmilitarisiert und 1940 ohne Kampfhandlungen in die Hände des deutschen Terrorregimes gespielt.

Die Besatzungszeit – deutsche Truppen auf den Inseln


Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Kanalinseln am 30. Juni (Guernsey), 1. Juli (Jersey), 2. Juli (Alderney) und 3. Juli (Sark) 1940 von den deutschen Truppen praktisch kampflos erobert. Die Verteidigungspolitik der Kanalinseln obliegt und oblag zwar der britischen Regierung, nach der Kapitulation Frankreichs holte London jedoch die auf den Kanalinseln stationierten Einheiten zurück – ein Kampf um die Inseln schien aussichtslos und mit hohen Verlusten verbunden. Etwa ein Viertel der Inselbewohner flüchtete daraufhin nach England – beinahe vollständig die Bevölkerung von Alderney, dafür blieb unter der Führung von Sibyl Hathaway beinahe ganz Sark auf ihrer Insel, Hathaway, von der es sogar aus dem Mund eines deutschen Soldaten hieß: „Ihr Wort war Gesetz. Sogar für uns.“ – wie weit es sich hier um Legendenverklärung handelt, sei natürlich dahingestellt.


Freilich wurde Nazideutschland die Aufgabe der Inseln nicht kommuniziert, sodass man erst einmal „vorfühlte“: Am 28. Juni 1940 wurden die Häfen von Guernsey und Jersey bombardiert, etwas über 40 Insulaner starben bei den Angriffen. Dennoch: der Einmarsch der Nazis war somit vergleichsweise unspektakulär, die Truppen landeten schließlich, marschierten in die Hauptstädte ein und besetzten Regierungsgebäude und Postämter. Der Alltag der Inselbewohner auf „Jakob“ (Jersey), „Gustav“ (Guernsey) und „Abel“ (Alderney), so die Decknamen der drei großen Inseln, änderte sich umgehend, öffentliche Ämter wurden durch deutsche Soldaten besetzt, Hakenkreuzfahnen gehisst, die Uhren auf mitteleuropäische Zeit umgestellt, es wurde auf Rechtsverkehr umgestellt im Kino liefen von nun an deutsche Filme – von einfallsreichen Umbenennungen wie der Gemeinde Vale in „Talhausen“ oder St. Martin in „Martinshausen“ ganz zu schweigen. Schilder wiesen „Zum Flugplatz“ und „Zum Hafen“, die Inselzeitung wurde zensiert, Rundfunkgeräte und Schusswaffen mussten abgegeben werden, Lebensmittel und Benzin wurden rationiert – kurz, das „volle Programm“ machte auch vor den Kanalinseln nicht Halt.


Jedoch: die Besatzungsmacht zeigte sich zunächst harmloser als befürchtet, Widerstand war zögerlich, man versuchte zu dulden, sich gewissermaßen zu arrangieren, es hieß „Passive Kooperation“. Kleiner positiver Nebeneffekt: Nachdem die Deutschen weitestgehend Englisch und Französisch verstanden, erlebten die lokalen Dialekte einen Aufschwung. Ab 1942 wurden die Insulaner gleich mehrfach mit der Unbarmherzigkeit des Hitlerregimes konfrontiert, mit stetig ansteigenden Einschränkungen im täglichen Leben, Zwangsarbeit und Deportationen. Das Übrige tat wohl der Bau der Arbeitslager Borkum, Norderney und Helgoland, sowie des Konzentrationslagers Sylt auf Alderney, zwischen 1943 und 1944 ein Außenlager des KZ Neuengamme.
Vorrangig Jersey, aber auch die kleine Schwester Guernsey sollten eine Festung im Ärmelkanal werden – daher begann im November 1941 die deutsche Besatzungsmacht in verschiedenen Gebieten der Inseln mit dem Bau von Eisenbahnstrecken, Tunnelsystemen, Bunkern, Wallanlagen und Kasematten. Die Inseln waren ein schwer befestigter Teil des Atlantikwalls – mit nicht weniger als 500.000 Kubikmeter Beton wurden die Kanalinseln eingerüstet, das entspricht etwa der Betonmasse, die für das Stützgewölbe der Maltakraftwerke nötig war – oder auch der Menge, die die Hauptkläranlage Wien an Abwässer täglich umsetzt.
Mehr als 12.000 Mann Besatzungsmacht war auf den Kanalinseln stationiert, die Inseln verfügten über 16 Küstenbatterien – die größte davon wohl „Mirus“ bei St. Saviour (Guernsey), mit vier 12‘‘ Kaliber-Geschossen mit einer Reichweiter über 30 Meilen – wie auch über leichte und schwere Flak-Stellungen. Über 66.000 Minen waren rund um Guernsey im Meer verteilt.


Heute mag dies völlig überdimensioniert erscheinen, doch vielleicht dadurch zu erklären, dass die kleinen Inseln das einzige je von Deutschland besetzte britische Territorium waren – und außerdem wäre von den Kanalinseln aus „Operation Seelöwe“, die Invasion Englands, gedacht gewesen.


Die Besatzungszeit – Endlich frei!


Die Besatzungszeit – Endlich frei!
Als die Alliierten am 6. Juni 1944 in der Normandie landeten, ließen sie die Kanalinseln links liegen – denn Churchill hatte beschlossen, die deutsche Besatzung auszuhungern, sie zur Aufgabe zu zwingen – Originalzitat: „Let ‘em rot!“. Dass davon natürlich auch die Inselbewohner betroffen waren, nennt man im Krieg wohl nicht einmal Pech, vielleicht „notwendiges Übel“. Ab Winter desselben Jahres kamen jedoch insgesamt sechs Rot-Kreuz-Lebensmittellieferungen, die Situation auf den Inseln hatte sich zu prekär zugespitzt. Dennoch: Am 9. Mai 1945 – über eine Woche nach Hitlers Selbstmord in Berlin! – übergab Generalmajor Rudolf Wulf, letzter Kommandant Jerseys, nachdem die HMS Bulldog in Saint Peter Port, die HMS Beagle in Jersey landete, die Kanalinseln kampflos an die Alliierten, Alderney erreichten die britischen Truppen erst am 16. Mai – ein wenig salopp-gönnerisch dazu Churchill: „… and our dear Channel Islands are also to be freed today.“


Der 9. Mai wird auf Jersey und Guernsey als Liberation Day gefeiert, Sark zelebriert am 10. Mai. Nachdem auf Alderney de facto keine zu befreiende Population war, feiert man am 15. Dezember Homecoming Day, die Rückkehr der evakuierten Bevölkerung.


Die Besatzungszeit – Relikte von damals heute


Nicht nur Bunker und Betontürme erinnern heute auf den Kanalinseln an die Deutschen. Bereits 1945 liefen die ersten Sprösslinge der Besatz auf den Inseln herum, haben sich immerhin einige Mädchen und junge Frauen mit den Besatzern eingelassen – sie wurden während der Besatzungszeit als „jerrybags“ (jerry = deutscher Soldat) verhöhnt. Aus den Liaisonen sollen etwa 900 Babies entsprungen sein.
Neben den Jersey War Tunnels auf Jersey und dem German Occupation Museum auf Guernsey finden Sie insbesondere auf den beiden genannten Inseln wie auch auf Alderney Kriegsrelikte, die heute teilweise von Pflanzen überwuchert in idyllischer Landschaft einem Mahnmal gleich ins Meer blicken – so beispielsweise der Pleinmont Tower in Torteval und Fort Hommet in Câtel, beide auf Guernsey.